Leopoldine Sicka

Vorarbeiterin. Widerstandskämpferin. Hingerichtet.

* 1923   † 1944

 

Lebenslauf

Leopoldine Sicka wurde am 20.11.1923 in Wien geboren. Sie stammte aus einer sozialdemokratischen Familie. Nach dem Besuch der Grundschule arbeitete sie als Hilfsarbeiterin, später als Monteurin. Leopoldine Sicka war Jugendführerin und Funktionärin des KJVÖ im 10., 11. und 12. Wiener Gemeindebezirk.

Gruppe "Soldatenrat"

Leopoldine Sicka war Mitglied der Widerstandsgruppe “Soldatenrat”. Das vorrangige Ziel der Gruppe bestand darin, Angehörige der Wehrmacht zur Desertion aufzufordern. Hierfür wurde die Zeitung “Der Soldatenrat” ins Leben gerufen. Der “Soldatenrat” verschickte in diesem Zusammenhang eine eigens entworfene „Rußlandkarte“ an tausende Soldaten. Leopoldine Sicka war am Entwurf und der Produktion dieser Karte beteiligt, die dem Betrachter vor Augen führen soll, dass Hitler den Krieg gegen die Sowjetunion nicht gewinnen kann.

Viele Mitglieder des “Soldatenrat” fielen der NS-Justiz zum Opfer und wurden hingerichtet. Die Leitung oblag Alfred Rabofsky, der die Widerstandsgruppe auch gegründet hatte. Weitere Mitglieder, über die das Todesurteil gesprochen wurde, waren etwa die jüngste Hingerichtete des Landesgerichts 1 Anni Gräf, Elfriede Hartmann, Oskar Klekner, Leopoldine Kovarik, Alfred Fenz, Friedrich Mastny, Walter Kämpf und Ernestine Diwisch.

Verhaftung, Kassiber, Todesurteil, Hinrichtung

Am 5.6.1942 wurde Sicka verhaftet und blieb bis Oktober 1943 in den Kerkern des Wiener Gestapohauptquartiers am Morzinplatz. Aus der Haft schmuggelte sie Grüße an ihre Verwandten und Kassiber, in denen sie ihre Hoffnung mitteilt, mit einer Zuchthausstrafe davonzukommen.

Am 10.10.1943 zum Tode verurteilt, wurde sie, die 19jährige, im Wiener Landesgericht geköpft. Leopoldine Sicka war nach Anni Gräf die zweitjüngste Frau, der dieses grauenhafte Schicksal zuteil wurde.

Aus dem Urteil

“Wer im Kriege, während der Soldat an der Front kämpft und blutet, auf die Heimat das Letzte an Opfern und Kraft hergibt, um diesen Kampf der Soldaten zu unterstützen, die Einheit von Front und Heimat zu zerstören sucht, muss fallen. Im Gegensatz zu anderen, an Jahren auch hinter den jugendlichen Angeklagten zurückstehenden deutschen Jungen und Mädchen, die sich bei der Abwehr der feindlichen Terrorangriffe auf deutsche Städte heldenhaft bewährt und hohe Auszeichnungen unter Einsatz ihres Lebens errungen haben, glaubten diese Angeklagten, dem deutschen Volk in den Rücken fallen zu müssen in der Absicht, es dem Feinde in die Hand zu geben. Ein solches Verhalten könnte auch ohne die ausdrückliche gesetzliche Vorschrift nur mit dem Tode gesühnt werden. Demgemäß werden alle Angeklagten zum Tode verurteilt. Sie müssen auch äußerlich aus der Volksgemeinschaft ausgestossen werden, von der sie sich innerlich längst losgesagt haben.”

Brief des Vaters Leopold Sicka an den Oberreichsanwalt vom 19.1.1944

“Es wurde mir heute, den 19.1.1944, als ich meine Tochter Leopoldine Sicka, welche am 12.10.1943 aus politischen Gründen zum Tode verurteilt wurde, als ich sie laut Sprechkarte besuchen wollte, im Landesgericht Wien 1 mitgeteilt, dass sie nicht mehr anwesend ist (und) ich mich wegen ihres Aufenthalts an Sie wenden soll. Bitte daher um Auskunft! Wenn auch das furchtbare Urteil an dem Kinde vollstreckt wurde (es mir) mitzuteilen. Hochachtungsvoll Leopold Sicka, Wien X, 75, Quellenstraße 33/20”

Gedenktafel

An ihrem Wohnhaus in Wien 10, Quellenstraße 33 ist eine Gedenktafel angebracht.

Gedenkort

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts findet sich ihr Name auf einer der Gedenktafeln.

Die Gedenkstätte auf der Gruppe 40, Zentralfriedhof

Weblinks und Quellen

Wir erinnern uns

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